Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

sehr gerne hätten wir in diesen Tagen einen Familiengottesdienst hier in unserer Cyriakuskirche gefeiert. Zusammen mit den Konfi-3-Kindern, die sich in den vergangenen Monaten- als dies noch möglich war- in verschiedenen Gruppen und Häusern getroffen haben, um sich gemeinsam mit den Begleiterinnen und Begleitern über die wichtigen Themen des christlichen Glaubens auszutauschen. Miteinander zu singen, zu malen, zu basteln. Auch Brot sollte gebacken und dann ein Gottesdienst mit Abendmahl am 29.3.20 gefeiert werden.

Alle haben sich darauf gefreut.

Abendmahl dürfen wir derzeit nicht miteinander feiern- aber wir können uns an das Psalmwort erinnern, das wir nach jedem Abendmahl gemeinsam sprechen: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2).

Vielleicht ist gerade dies dran in diesen schwierigen Zeiten, in denen wir stehen. Trotz aller Problemlagen, trotz ständig neuer Nachrichten, ja, auch trotz der Anordnung, sich bis auf Weiteres nicht mehr zum Gottesdienst zu treffen, daran zu denken, was Gott uns Gutes getan hat und immer noch tut.

Viele Dinge, die seither normal waren und zu unserem Alltag gehört haben, sind plötzlich in Frage gestellt. Und doch: Wie gut geht es uns! Wir haben genug zu essen und zu trinken. Wir haben sauberes Wasser, unser Gesundheitswesen funktioniert. Dafür dürfen wir dankbar sein und mit dem Psalmbeter sprechen: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Diese Worte aus Psalm 103 können für uns ein guter Wegbegleiter sein, hinein in die nächsten Tage und Wochen. Und noch etwas kann uns begleiten. Ich meine die Worte unserer Jahreslosung.

In der Cyriakuskirche, die auch in diesen Zeiten tagsüber geöffnet ist, sind ja die großartigen Bilder zu sehen, die Leute aus unserer Gemeinde zur Jahreslosung gestaltet haben. Eindrücklich sind sie geworden. So eindrücklich wie die Worte der Jahreslosung aus dem Markusevangelium: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9,24)

Mit dieser Bitte kam einst ein Mann zu Jesus. Und so können auch wir heute immer wieder beten und Jesus bitten, dass er uns helfen möge. Dass er uns Glauben und Vertrauen schenken möge. Glauben und Vertrauen zu ihm, der alles in seinen guten Händen hält. Der uns Gutes zukommen lassen möchte.

Und in diesem Glauben und Vertrauen zu Jesus Christus können wir dann überlegen, wie unser Glaube, wie unser Vertrauen zu Jesus konkret werden kann in unserem Alltag.

Wenig Vertrauen ist da, wo jeder meint, er müsste erst mal nach sich schauen und möglich viel für sich horten. Viel Vertrauen ist da, wo wir auch nach anderen schauen, auch für andere Sorge tragen. Wo wir einander ermuntern, weiter zu glauben, zu hoffen, zu beten.

Es gibt im Augenblick so viele Möglichkeiten, dies zu tun. Jeden Abend um 19.30 Uhr laden die Glocken unserer Kirchen ein zum Gebet. Und bereits um 19 Uhr lädt unsere Landeskirche ein, das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen oder zu musizieren (EG 482). Das könne auch auf dem eigenen Balkon oder im Garten geschehen, so heißt es in dem Aufruf.

Am Ende dieses Liedes steht die Bitte, dass Gott uns ruhig schlafen lässt. Aber dann wird noch hinzugefügt: „…und unsern kranken Nachbarn auch!“ Ja, alle sollen zur Ruhe kommen. Alle sollen Gutes erfahren und erleben dürfen. Von unserem Gott, der uns so viel Gutes tut.

 

Gebet

Sich und die Welt im Gebet unserem Gott anvertrauen

Herr, unser Gott,

wir leben in einer Zeit voller Angst und falscher Behauptungen,

voller Elend und vergessener Opfer.

Wir leben in einer Zeit von Menschen, die ihre Hoffnung teilen und für deine gute Nachricht eintreten.

In dieser Zeit rufen wir zu dir und bitten: Guter Gott, erbarme dich!

 

Das Corona-Virus fordert inzwischen alle Welt heraus.

Wir bitten dich, Gott, für die Kranken und Sterbenden,

für die mutigen und ausdauernden Helferinnen und Helfer,

Pflegerinnen und Ärzte, Einsatzkräfte und Entscheider,

für alle, die selbst voller Angst sind,

für die, die wider alle Vernunft und Einsicht Panik verbreiten, für diejenigen, die aufklären, informieren und beraten, oft gegen viele Widerstände.

Für sie alle rufen wir zu dir und bitten: Guter Gott, erbarme dich!

Schöpfer des Lebens,

wir bitten für die Vielen, die unsere Versorgung sicherstellen: Bei den Lebensmitteln und im Einzelhandel, bei Strom, Wasser, Wärme und Kommunikation, Sicherheit und Schutz, im Verkehr und für alle, die sich mit aller ihrer Kraft dafür einsetzen, dass wir jeden Tag das haben, was wir zum Leben brauchen.

Wir rufen zu dir und bitten: Guter Gott, erbarme dich!

Wir bitten: Verleih uns Frieden gnädiglich, du, Gott, in diesen Zeiten.

Rette alle, die in Angst und Not gefangen sind.

Schenke uns Einsicht in deine Botschaft, die uns an die Seite derer stellt, die auf Hilfe hoffen. Lass sie und uns nicht vergehen, nicht in Übermut, nicht in Verzweiflung. Sei du selbst unser starker Fels!

Wir rufen zu dir und bitten: Guter Gott, erbarme dich!

Andacht 30.03.2020

Durch Krisen reifen. Unter diesem Titel stand der neue Kurs „Stufen des Lebens“, der an vier Abenden im Januar und Februar in unserem Gemeindehaus stattgefunden hat. Zu einer Zeit, in der noch niemand von uns daran gedacht hat, dass sich im Laufe des Monat März unser Leben und unser Alltag durch eine Krise dramatisch ändern würde.

Durch Krisen reifen. So hieß also das Motto. Wir beschäftigten uns an den vier Abenden mit dem Propheten Elia, von dem uns im Alten Testament berichtet wird. Elia, ein Mensch, dessen Leben von mancherlei Krisen durchgeschüttelt worden ist. Es lohnt sich, diese Geschichten einmal nachzulesen. Besonders auch in 1. Könige 19, einem Kapitel, in dem geschildert wird, wie Elia nach großen Erfolgen vor dem König fliehen muss und sich sein Leben von einem Tag auf den anderen ändert. Er nicht mehr weiter weiß und nicht mehr weiterkann, ja sich sogar wünscht zu sterben.

Damals beim Bibelkurs im Gemeindehaus haben wir wichtige Entdeckungen gemacht: Es gibt wohl kein Leben ohne Krisen. Weder bei den Menschen damals vor über 2000 Jahren, noch bei uns heute. Ganz selbstverständlich gehören Krisen zu unserem Leben dazu. Für einzelne von uns, etwa in Zeiten, die durch Krankheit oder durch Arbeitslosigkeit bestimmt sind. Aber auch für ganze Völker. Man danke nur an Kriegszeiten, die viele von uns durchmachen mussten.

Durch Krisen reifen. Im Nachdenken über das Motto des Kurses wurde uns aber auch klar, dass Krisen nicht nur negativ zu sehen sind, sondern durchaus auch eine positive Seite haben können. Klar ist: Krisen sind immer unangenehm. Keine und keiner von uns sehnt sich danach. Niemand von uns begrüßt die Corona-Krise. Niemand freut sich daran, dass das öffentliche und auch das kirchliche Leben weitgehend lahmgelegt ist. Jedoch können wir bereits ahnen, dass das Leben nach der Corona-Krise ein anderes sein wird. Ja, dass wir aus dieser Krise viel lernen können.

Zunächst einmal haben wir jetzt viel Zeit. Zeit zum Nach-denken und Zeit zum Neu-denken. Dabei können wir entdecken, was wirklich wichtig ist und auf was wir verzichten können. Viele sehen die Not der anderen und kümmern sich darum. Das ist etwas sehr Kostbares, was auch in der Zeit nach der Krise nicht aufhören sollte. Und: Wir können jetzt, da wir Zeit haben, auch unseren Glauben neu entdecken. Das Lesen in der Bibel. Das Singen der Lieder aus dem Gesangbuch- die darf man ruhig laut und auch, wenn man ganz alleine ist- Zuhause singen. Und wir können das Beten neu entdecken- gerade in der Krise. Das Reden mit Gott. In Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung- so hat es Martin Luther einst formuliert. Das alles können wir in der kommenden Zeit tun- und somit durch Krisen reifen.

Pfarrer Wolfgang Schlecht