Predigt 20.09.2020

Predigt im Gottesdienst am 20.9.20 in der Cyriakuskirche

15. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrer Wolfgang Schlecht

 

Liebe Gemeinde, als Predigttext für den heutigen Sonntag hören wir auf eine sehr alte Geschichte aus der Bibel. Es ist die Schöpfungsgeschichte, die auf den ersten Seiten der Bibel nachzulesen ist, die Geschichte von der Erschaffung der Welt und der Erschaffung des Menschen. Hören wir aus dem 1. Buch Mose aus dem 2. Kapitel.

(Lesung 1. Mose 2,4b-9+15)

„Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde.“ Liebe Gemeinde, beim Hören dieses Satzes beginnen einige Zeitgenossen immer zu lächeln. Sie sagen: „Ja, diese Ansicht ist doch wirklich überholt, wir wissen das heute besser. Wir haben im Biologieunterricht gelernt: Der Mensch besteht hauptsächlich aus Wasser.“

Ja, das stimmt schon. Aber ich denke, der, der den Schöpfungsbereit in der Bibel geschrieben hat, der wollte uns keinen Unterricht in Biologie geben, sondern uns eine tiefe Wahrheit vermitteln. Gerade wenn er sagt, der Mensch sei aus Erde gemacht. Und darum wollen wir uns jetzt einmal überlegen, was denn Mensch und Erde verbindet. Und vielleicht beginnen wir dabei, diese alte Schöpfungsgeschichte ganz neu und tiefer zu verstehen.

Erde und Mensch- seit Urzeiten sind beide enge Verbündete. Erde trägt uns. Einer, der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht, das ist ein Mensch, dem wir vertrauen.

Auf Erde leben wir. Wasser und Luft sind Elemente, in denen wir Menschen erst sehr viel später heimisch geworden sind. Und manch einem ist es heute noch im Wasser nicht ganz geheuer, geschweige denn in der Luft in einem Flugzeug.

Erde ist der Lebensraum von uns Menschen. Erde ist der Boden, der Ackerboden, auf dem alles wächst, was uns ernährt. Mensch und Erde. Eng gehören beide zusammen. So eng, daß jede und jeder von uns nach dem Tod ein Stück Erde wird, das zerfällt. „Aus Erde sind wir genommen, und zu Erde werden wir wieder“. So steht es in 1. Mose 3. Und auf dem Friedhof an einem offenen Grab sprechen wir die Worte: „Wir legen den Verstorbenen in Gottes Acker. Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staube.“

Mensch und Erde. Beide gehören zueinander. Die Menschen früher haben das noch viel mehr verstanden als wir heute. Und darum nannten sie den Planeten, auf dem wir alle zuhause sind, die Erde. Unsere Erde, die uns alle hält und trägt, mitten in einem unendlichen und unwirtlichen Weltraum.

Und in manchen Sprachen kommt die enge Beziehung Mensch- Erde ebenfalls sehr schön zum Ausdruck.  Im Lateinischen, da ist Humus der fruchtbare Ackerboden und homo dann der Mensch, der zur Erde, zum Ackerboden Gehörende.

Und im Hebräischen, der alten Sprache Israels, da heißt Mensch „Adam“. Adam heißt einfach Mensch. Und Erde heißt Adamah. Adam- Adamah, die Wörter für Mensch und Erde klingen also ähnlich, sie sind miteinander verwandt, weil doch Mensch und Erde so nahe Verwandte sind.

Der Mensch, aus Erde gemacht. Eine tiefe Wahrheit steckt also hinter dieser Aussage der Bibel. Genauso wie in der Bemerkung, daß Gott dem Menschen den Odem, den Atem zum Leben, in die Nase geblasen hat.

Ja, wir Geschöpfe sind nicht die Herren über unser Leben, über unseren Atem. Keine und Keiner von uns kann sich bewußt am Beginn des Lebens entscheiden, ob er oder sie beginnen will zu atmen oder nicht. Nein, der Atem, die Luft zum Leben, ist einfach da, wie ein Geschenk. Wir atmen unbewußt unser Leben lang aus und ein- bis wir unseren letzten Atemzug tun. Und wann wir das tun, das liegt wiederum nicht in unserer Hand, sondern in der Hand unseres Schöpfers.

Weiter hören wir dann in der Schöpfungsgeschichte der Bibel, dass Gott den Menschen nicht nur erschafft, nein, er gibt ihm auch einen bestimmten Lebensrahmen, einen bestimmten Lebensraum. Der Mensch wird von Gott nicht einfach als ein Findelkind auf der Erde ausgesetzt, nein, Gott pflanzt für den Menschen einen Garten und er setzt den Menschen hinein. Gott kümmert sich liebevoll um die Bereitstellung eines dem Menschen angemessenen Lebensraumes und bereitet einen Garten für ihn vor, in dem es ausreichend Nahrung gibt. Wasser und Bäume mit Früchten. All das stellt Gott für den Menschen zur Verfügung. Eine Erde, auf der es sich gut leben lässt.

Dann aber will der Schöpfungsbericht der Bibel auch zeigen, in welcher Beziehung denn der Mensch von Anbeginn an zu Gott, dem Schöpfer, leben soll. Zu Gott, der den Menschen gewollt hat, ihn aber auch mit allen Freiheiten ausgestattet hat. Gott wollte keine Marionetten schaffen, sondern Menschen, die selbstständig überlegen und entscheiden können. Sich an Gott halten oder ihn ablehnen können.

Dafür sind die zwei Bäume, die Gott in die Mitte des Gartens gepflanzt hat, bereits ein Hinweis. Es ist der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Ob der Mensch bereit ist, Leben zu fördern oder zu zerstören. Ob er das Gute oder das Böse wählt- daran wird sich alles entscheiden. Davon erzählen die nachfolgenden Geschichten der Bibel. Und es wird wichtig sein, ob der Mensch den Auftrag seines Schöpfers erfüllt, die Erde, Gottes Erde, zu bebauen und zu bewahren.

Das alles erzählt die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel. Eine Geschichte aus alten Tagen- und doch, wir alle sind angesprochen. Wir alle sind heute gefragt: Adam, Mensch, was tust du heute? Du, Adam- dieses Wort benutzen wir ja heute nur noch für den Mann. Und du, Eva, du Frau. Das Wort Eva ist auch hebräischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Leben“. Die Eva ist diejenige, die Leben schenkt. Wie geht ihr, Adam und Eva, heute mit der Welt, die Gott auch für euch zur Verfügung gestellt hat, um? Auch euch heute gilt der Auftrag Gottes, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Wenn wir uns heute auf der Welt umblicken, dann müssen wir leider oft bekennen: Dem Auftrag, die Erde zu bebauen, dem sind wir nachgekommen. Ja, vielerorts schon im Übermaß. Und der Auftrag, die Erde zu bewahren, er bleibt auf der Strecke.

Sie kennen das schöne Lied, das wir vorhin gesungen haben: „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Ein Loblied auf Gottes gute Schöpfung. Jemand hat dieses Lied einmal umgedichtet, und das klingt dann so:

„Geh aus mein Herz und suche Freud, denn du hast nicht mehr lange Zeit, dich an Natur zu laben. Schau an der schönen Gärten Zier, solange Blumen, Baum und Tier noch Raum zum Leben haben.“

Dieser Liedtext- keine Zukunftsmusik, sondern leider schon bittere Wirklichkeit. Und ich denke, viel wäre schon gewonnen, wenn wir nicht mehr das Wort „Umweltschutz“ verwendeten. Umweltschutz, das klingt so, als ob hier wir Menschen wären, denen es gut geht, und dort eine Umwelt, die es zu schützen gilt. Und notfalls, so nehmen wir an, könnten wir Menschen auch ohne diese Umwelt leben.

„Und Gott der Herr machte den Menschen aus Erde.“ Dieser Satz aus der Schöpfungsgeschichte erinnert uns neu daran: Mensch und Erde sind ganz enge Verbündete. Und darum gilt: Was wir der Erde antun, das fällt auf uns Menschen zurück. Macht der Mensch die Erde krank, indem er sie vergiftet, wird er es ebenso. Zerstört der Mensch die Erde, diesen Planeten, der ihm Heimat gibt, zerstört er sich selbst.

Nehmen wir es also nicht als selbstverständlich hin, dass es auf dieser Erde diese Vielfalt an Pflanzen, an Tieren, an Menschen gibt. Nein, Gott hat diese bunte Vielfalt gewollt- und wir können das unsere dazutun, dies zu erhalten und zu fördern. Und: Wir können ein Fest feiern, um Gott für die Fülle und die Schönheit seiner Schöpfung zu danken- trotz all dem, was wir dieser Erde schon angetan haben. Gott für die Schönheit und die Fülle seiner Schöpfung zu danken- das wollen wir in 14 Tagen beim Erntedankfest hier in unserer Kirche tun. Amen.