Predigt 16.09.2018

Predigt im Gottesdienst am 16.09.2018 - Begrüßung der neuen Konfirmanden

Pfarrer Wolfgang Schlecht

 

 „Wer wird Millionär“- so heißt die Quizsendung bei RTL mit Günther Jauch. Und heute haben wir sie in etwas abgewandelter Form gespielt: „Wer wird Biblionär“.

Solche Quizsendungen funktionieren nur dann, wenn es auf die Fragen, die dort gestellt werden, eine eindeutige Antwort gibt, die nachprüfbar ist und nicht in Frage gestellt werden kann.

Doch in unserem Leben funktioniert vieles eben nicht so schön und einfach wie bei Günther Jauch. In unserem Leben stellen sich uns Fragen, die wir eben nicht so einfach aus vier vorgegebenen Antwortmöglichkeiten mit einer richtigen Lösung beantworten können. Und dabei hätten wir auf so viele Fragen in unserem Leben so gerne eine Antwort. Nicht, weil uns bei einer richtigen Antwort ein größerer Geldgewinn winken würde, sondern weil wir es in unserem Leben schlicht und einfach kaum aushalten, kaum ertragen können, dass uns eine Antwort auf die Frage, die uns so umtreibt und bewegt, einfach nicht gegeben wird.

„Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind die Kandidaten, das ganze Leben ist ein Quiz, und wir raten, raten, raten.“ So, liebe Gemeinde, sang vor einigen Jahren der Entertainer Hape Kerkeling.

Darin steckt in der Tat eine richtige und tiefe Einsicht. Und doch können wir damit die Tatsache, dass wir viele Fragen in unserem Leben haben und diese nicht beantworten können, nicht einfach zur Seite schieben. Unser Leben ist nicht einfach ein Quiz, an dem wir uns beteiligen können oder nicht. Wir sollen- nein, wir müssen ernsthaft an die Sache herangehen. An die Fragen, wie unser Leben gelingen kann. Was denn gut und richtig für uns ist. Für uns und für unser Zusammenleben. Und womöglich finden wir ja gute und hilfreiche Antworten.

Heute, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, erhaltet ihr eure Bibel. Bibel- dieses Wort geht zurück auf das griechische biblos, das einfach „Buch“ bedeutet.

Die Bibel, das war für die erste Christenheit das Buch. Eine Sammlung verschiedener Schriften, Evangelien und Briefen, die von Gott erzählen und von den Erfahrungen, die Menschen mit diesem Gott gemacht haben. Vor allem mit seinem Sohn Jesus Christus.

Die Bibel, ein Buch, das Buch. So wichtig, dass es in früheren Zeiten in den Klöstern in jahrelanger Arbeit abgeschrieben worden ist, Wort für Wort. Weil der Inhalt nicht verlorengehen sollte. Die Bibel, ein Buch, das Buch. So wichtig, dass Martin Luther sich vor 500 Jahren in monatelanger Arbeit hingesetzt hat, um wenigstens das Neue Testament, die Geschichten von Jesus, ins Deutsche zu übersetzen. So wichtig, dass er dafür gesorgt hat, dass Schulen entstanden sind, in denen die Kinder schreiben und lesen lernen. Oft mit dem einen Buch, mit der Bibel.

Die Bibel, ein Buch, das Buch. Das Buch, das Menschen, die um ihres Glaubens willen fliehen mussten, mitgenommen, mitgetragen haben auf ihrem gefährlichen Weg. Wohlwissend, dass sie verloren waren, wenn man sie und das Bibelbuch bei ihnen fand.

Wir können heute, Gott sei Dank, ohne Gefahr die Bibel bei uns tragen und lesen. Und das wollen wir in diesem jetzt beginnenden neuen Konfirmandenjahr tun.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wir Mitarbeitenden wollen mit euch zusammen interessante Entdeckungen in diesem Buch machen. Die alten Geschichten lesen- und ich bin der festen Überzeugung, dass auch wir zu der Einsicht kommen und sagen können: Jetzt verstehe ich, warum dies und das den Leuten früher wichtig war. Und warum es auch wichtig für mein Leben ist. Und womöglich eine Antwort geben kann auf eine Frage, die ich mir schon so oft gestellt habe. Eine Antwort auf eine meiner Lebensfragen. Auf meinen Fragen nach Gott.

Wir Mitarbeitenden im Konfis wollen euch dabei, so gut wir es vermögen, begleiten. Alles wissen wir jedoch nicht. Bei dem Quiz „Wer wird Millionär“ gibt es verschiedene Joker: Man kann zum Beispiel das Publikum befragen.

Das wäre doch eine tolle Konfirmandenzeit, wenn wir uns einander Fragen stellten. Wir den Konfirmanden, diese uns Mitarbeitenden. Die Konfirmanden den Eltern und umgekehrt. Wenn wir miteinander ins Gespräch kämen, gemeinsam Antworten suchten und finden würden. Denn der eine weiß da mehr Bescheid, die andere dort. Ja, ein hilfreicher Joker im Leben. Andere befragen. Mit anderen, auch und gerade über den Glauben, reden.

Ein weiterer Joker bei „Wer wird Millionär ist: Jemanden anrufen. Einen guten Bekannten zum Beispiel. Mir ist es wichtig, euch, ja ihnen allen, zu sagen: Einen Joker, einen Telefonjoker, können wir immer und überall in unserem Leben, bei allen Lebensfragen, einsetzen.

In diesem Bibelbuch, in den Psalmen, heißt es einmal- und wir können es so in Psalm 121 nachlesen:

„Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat! Er gibt immer auf dich acht. Er wird nicht müde und schläft nicht.“

Gott steht uns zur Seite. Mit ihm können wir immer reden. Ihn können wir immer um Rat fragen, Tag und Nacht. Und ich bin mir sicher, dass er uns mit unseren Fragen nicht allein lässt und ernst gemeinte Anfragen nicht unbeantwortet lässt. So wünsche ich euch Konfirmandinnen und Konfirmanden nicht, dass ihr alle Millionäre werdet. Sondern Biblionäre. Leute, die sich in der Bibel zurechtfinden lernen und durch die Worte der Bibel Rat und Hilfe, Trost und Mut für ihr Leben finden. Deshalb, weil hinter diesen Worten der Bibel Gott selbst steht. Er, der gute Vater im Himmel, der uns kennt und liebt. Und Jesus Christus, unser lebendiger Herr, unter dessen hilfreicher Begleitung, unter dessen reichem Segen wir unseren Weg gehen können. Heute und alle Tage. Amen.